| Ölfluss am Golf gestoppt? |
| Magazin - Umwelt | |||
| Geschrieben von: Inca Vogt | |||
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Da saß ich gestern vor dem Fernseher und atmete auf. Die Meldungen auf ntv verkündeten, dass das Ölleck am Golf von Mexiko gestopft sei. Testweise, für einige Stunden. Zeitgleich fühlte ich mich ertappt. Wieso beginne ich automatisch zu lächeln bei dieser Meldung? Weil die Gefahr gebannt ist? Weil die Katastrophe jetzt "nur" endlich ist. Endlich vorbei? Eine dumme Reaktion, zu früh, zu kurzsichtig. Und naiv. Die Schäden, die durch das seit Monaten ausströmende Öl bereits entstanden sind, sind schon jetzt kaum absehbar. Hinzu kommt: unendlich drohen weitere Lecks dieser Art. Neue Ölbohrungen auf hoher See sind geplant - während etliche alte Bohrinseln Zeitbomben mit jederzeit aufbrechbaren Schleusen sind. Hier ein Bericht vom WWF ...
WWF fordert internationale Aufsicht über ÖlbohrungenVorsichtiges Aufatmen am Golf vom Mexiko: die Versuche, das Leck am Meeresgrund abzudichten, zeigen nach fast drei Monaten einen ersten Erfolg. Offenbar ist es erstmals gelungen den Ölfluss zumindest vorübergehend zu unterbrechen. Der WWF betont, dass dennoch kein Grund zur Entwarnung bestehe. Es sei nicht sicher, ob der "Deckel" halte. Und die eigentliche Aufräumarbeit beginne erst jetzt. "Hunderttausende von Tonnen Rohöl haben die Meeresregion verseucht. Es wird mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Natur einigermaßen von diesem Unfall erholt hat", prognostiziert Hans Ulrich Rösner vom WWF Deutschland. Er bemängelt, dass noch immer nicht die notwendigen Konsequenzen aus dem Unfall gezogen worden seien. Dies sei die Vorbeugung gegen Katastrophen. Der WWF fordert deshalb ein globales Kontrollorgan für Ölbohrungen auf hoher See und einen Stopp in allen sensiblen Gebieten. Bisher machen die EU oder regionale Meeresschutzabkommen der Offshore-Industrie für den Normalbetrieb zwar Umweltauflagen. Doch die Frage, wer wo bohren darf, bleibe Entscheidung der Einzelstaaten. Trotz der Katastrophe am Golf laufen die Planungen für neue Bohrungen auf Hochtouren, z.B. vor Australien, Angola, Brasilien oder vor den britischen Inseln. Gerade erst habe die
Meeresschutzgebite tabu für Ölbohrungen Für jedes Barrel geförderten Öls müssen die Betreiber dann in einen Fonds einzahlen. Der WWF setzt sich außerdem dafür ein, dass Meeresschutzgebiete eingerichtet und zu Tabuzonen für Offshore-Bohrungen erklärt werden. Es müsse Schluss sein mit der Ölförderung in besonders sensiblen Meereszonen wie den arktischen Gewässern, beispielsweise der Barentssee vor Nordnorwegen. Auch Deutschland könne sich da nicht ausnehmen: "Es ist unbegreiflich, wie man ausgerechnet im geschützten Wattenmeer an der Nortseeküste Öl fördern kann. Und wie Landesregierung und Bergbehörde die Arroganz aufbringen, noch während der laufenden Katastrophe in den USA die Lizenz dafür um 30 Jahre bis 2041 zu verlängern", sagte Rösner. Dies zeige, dass auch in Deutschland das Bergrecht dringend an das 21. Jahrhundert angepasst werden müsse, damit Aktionen wie diese hinter dem Rücken der Öffentlichkeit nicht mehr möglich sind. Und hier sind auch wir Konsumenten gefragt. Mit klugen Kaufentscheidungen an Zapfsäulen, beim Hausbau, der richtigen Heizung, der Entscheidung für den Stromanbieter und vor allem: dem unverklärten Blick auf alles, was uns an Nachrichten erreicht. Ein zurücklehnendes Lächeln, weil ein Bohrloch vielleicht endlich gestopft ist, sagt nur eins. Wir lassen uns allzu gerne einlullen. "Hauptsache das eigene Leben ist schön ..."
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