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Riesiger Ölteppich vor der US-Küste
Magazin - Umwelt
Geschrieben von: Inca Vogt   

Nach dem verheerenden Unglück der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko schwimmt jetzt ein riesiger Ölteppich vor der US-Küste. Nach dem erneut misslungenen Versuch in der Nacht auf Mittwoch, das Leck zu stopfen, strömen weiterhin 160.000 Liter Rohöl pro Tag in das offene Meer.

Mittlerweile wurde in 1.500 Metern Tiefe noch ein drittes Leck entdeckt, aus dem Rohöl strömt. Aus Angst vor einer Umweltkatastrophe größeren Ausmaßes hat man mittlerweile begonnen, das schwimmende Öl anzuzünden, um so dessen Kontakt mit der Küste zu verhindern.

"Laut derzeitigen Angaben dürfte es noch zwei bis vier Wochen dauern, bis die Öffnung unter Kontrolle ist. Das heißt, das noch zusätzlich drei Mio. Liter oder mehr zu erwarten sind", berichtet Raleigh R. Hood von der University of Maryland Center of Environmental Science. Für die Umwelt sei dies fatal, besonders wenn das Öl die Küste erreicht. "Ich denke, es könnte zu einer der schlimmsten Umweltkatastrophen werden, die die USA jemals erlebt hat", schätzt Hood.

Marschgebiete in Gefahr

Nancy Rabalais, Direktorin des direkt an der Golfküste stationierten Marine Consortium der Louisiana University http://www.lumcon.edu, teilt diese Befürchtung. Es komme sehr darauf an, ob es gelingt, den Ölteppich zu entfernen bevor er die Küste erreicht. Entscheidend sei auch, wohin er sich aufgrund des Windes und Seeganges bewegt. "Bewegt sich das Öl nordwärts, trifft er auf Sandbänke. Diese können vergleichsweise gut abgetragen und entsorgt werden. Schlimmer wäre es, wenn es westwärts auf die Marschlandschaften des Mississippi-Deltas und seiner vorgelagerten Inseln trifft", so die Expertin.

Diese Marschgebiete sind ein wichtiges Laichgebiet für Fische und Krustentiere, die am Öl ersticken könnten. Im derzeitigen Fall seien besonders das Ökosystem der Seegras-Regionen gefährdet, die man sehr schwer reinigen könne, erklärt Rabalais. "Der Ölteppich, der 2007 nach dem Zusammenstoß von zwei Bohrplattformen auf die Küsten des mexikanischen Bundesstaates Campeche trieb, überdeckte alles, was er erreichte."

Ölteppich wird in Giftwolke verwandelt

In der Nacht auf Donnerstag, hat man begonnen, den Ölteppich kontrolliert abzubrennen. Die Vorgehensweise hat erhebliche Risiken, nicht zuletzt aufgrund der giftigen Rauchgase und der zurückbleibenden Ölreste. Laut der Umweltbehörde EPA wird die Aktion abgebrochen, sobald bestimmte Grenzwerte der Luftschadstoffe überschritten werden. Schon nach dem Hurrikan Katrina hat man ausgelaufenes Öl entflammt, allerdings erst nach dessen Auftreffen auf Marschgebiete. Diese haben sich seither anscheinend wieder erholt. "Die Hoffnung, dass der Landkontakt vermieden wird, lebt jedenfalls noch weiter", betont Rabalais.

BP Kosten in Milliardenhöhe

Klagewelle droht - Katastrophe fünfmal schlimmer als angenommen

Ölpest nimmt ihren Lauf (Foto: flickr.com, uscgd8)
Hammond (pte/30.04.2010/12:00) - Der Untergang der vor einer Woche im Golf von Mexiko explodierten Ölplattform "Deepwater Horizon" bedeutet neben Imageschäden auch hohe Kosten für BP. Erste Schätzungen reichen von dreistelligen Millionenbeträgen bis hin zu mehreren Milliarden Dollar für die Abdichtung von Lecks, das Einsammeln des Öls und die Säuberung der Küstenabschnitte. Die vorsichtigen Schätzungen orientieren sich an dem im März 1989 vor Süd-Alaska auf ein Riff gelaufenen Öltanker Exxon Valdez. Damals liefen über 40.000 Tonnen Rohöl aus und verschmutzten 2.000 Kilometer Küste. Die Kosten für Exxon Mobil damals: Mehr als 4,3 Mrd. Dollar.

Aktienkurse brechen ein

Abgesehen von den Imageschäden für BP und die Schweizer Betreiberfirma Transocean, von der die Briten die Bohrplattform geleast haben, dürfte sich auch die zukünftige Akzeptanz für Bohrvorhaben dieser Art im Golf von Mexiko verschlechtern. BP unterstreicht gegenüber pressetext, dass man alles tun will, um weiteren Schaden abzuwenden und verweist auf die koordinierte Zusammenarbeit mit der US-Küstenwache.

Die Börsen nehmen die Ängste bereits vorweg. Nach Handelsschluss am Donnerstag musste die BP-Aktie im amerikanischen Handel rund acht Prozent einbüßen und notierte bei 52,56 Dollar. Seit der Katastrophe auf der Deepwater Horizon am 21. April fielen die Papiere 13 Prozent. Auch werden Erinnerungen an eine BP-Raffinerie-Explosion in Texas 2005 sowie ein Pipeline-Leck 2006 in Alaska wach. An der kaum noch abzuwendenden Ölpest im Mississippi-Delta dürfte auch die von BP-Chef Tony Hayward gemachte Schuldzuweisung an Transocean nichts ändern.

"Die Verantwortung für die Sicherheit lag bei Transocean", sagt der BP-CEO. Die bereits seit Donnerstag von US-Präsident Barack Obama zur "nationalen Katastrophe" erklärte Ölpest dürfte ausschließlich an BP imagebezogen hängen bleiben. So hatte die US-Regierung zuletzt klar gemacht, dass man erwarte, BP trage alle Kosten. Höchstwahrscheinlich wird BP zudem mit einer Flut an Klagen konfrontiert. Klagen haben bereits Krabbenfischer aus Louisiana und Alabama eingereicht.

Weitere Bohrungen im Golf von Mexiko geplant

Wie die New York Times berichtet, gibt BP täglich rund sechs Mio. Dollar aus, um die Krise einzudämmen. Insider gehen davon aus, dass das Stopfen der drei Lecks 1.500 Metern unter der Wasseroberfläche, aus denen täglich ungebremst rund 5.000 Barrel Öl (795.000 Liter) ins offene Meer strömen, BP rund 300 Mio. Dollar kosten könnte. Seit dem Unglück fielen aber auch die Transocean-Aktien um rund 14 Prozent ins Bodenlose. Trotz des Zwischenfalls will BP weiter sein Bohrprogramm im Golf von Mexiko fortsetzen. Der Grund: Die Region ist für BP äußerst lukrativ und trägt rund elf Prozent zur weltweiten Konzern-Produktionsmenge bei.

Unterdessen hat der Ölteppich am Donnerstagabend erste Küstenabschnitte des US-Bundesstaats Louisiana erreicht. Weder das Abfackeln noch das Abfangen und Abpumpen des Öls von der Wasseroberfläche waren bislang erfolgreich. Nun droht eine Umweltkatastrophe, wie sie die USA noch nicht erlebt haben. Hochsensible Biotope von Seevögeln und anderen Meereslebewesen sind akut bedroht. Zudem sind Austernbänke und die Fanggründe für Krustentiere gefährdet.

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